Inkubation und Schlupf

In seinem Buch „Der Goldstaub-Taggecko“ (Natur und Tier; 3. Edition (25. Oktober 2011) beschreibt Peter Krause die Nachzucht als die „Krönung der Taggeckopflege“ (Zitat).
Tatsächlich ist die Inkubation und die Aufzucht der mitunter spannenste und interessanteste Teil der Phelsumen-Haltung. Als Kulturfolger ist P. laticauda nicht ganz so schwer in der Nachzucht.

Themen in diesem Artikel:

Inkubation

Ist ein befruchtetes Doppelei gelegt worden, ist es dringend ratsam dieses schnellstmöglichst aus dem Terrarium zu entfernen. Allerdings sollte man hier beachten, dass gerade gelegte Eier noch etwa eine Stunde lang vom Weibchen beschützt werden. Sie verjagen in dieser Zeit etwaige Störer. Diese Zeit sollte ihnen auch gewährt werden.

Bei der Bergung der Eier ist darauf zu achten, dass die Eier möglichst vorsichtig bewegt werden. Sie sollten keine Stöße oder ruckartige Bewegungen ausgesetzt sein. Ebenso ist es zu empfehlen, die Position des Doppeleis zu bewahren. Das bedeutet: liegen die Eier nebeneinander, sollten sie entsprechend aufbewahrt werden. Sind sie übereinander gestapelt, dann sollte man auch diese Position erhalten.

Zwar ist die ungeschützte Inkubierung der Eier innerhalb des Terrariums theoretisch möglich, allerdings ist die Temperatur nicht ohne weiteres regulierbar. Das Hauptproblem beginnt jedoch nach einer erfolgreichen Inkubation mit dem Schlupf: Elterntiere haben keine Skrupel davor die frisch geschlüpften Jungtiere als Futter dankend anzunehmen. Das bedeutet: Jungtiere werden von ihren Elterntieren (oder anderen adulten Phelsumen) gefressen!
In der Regel haben frisch geschlüpfte P. laticauda daher keine Chance innerhalb des Elternterrariums zu überleben. Auch ein rasches Einfangen ist nicht immer möglich.


Vorbereitung der Inkubation

Die meisten Züchter nutzen eine saubere Heimchendose zum Inkubieren der Eier. Luftlöcher sind hier zwingend notwendig! Ganz gleich welchen Behälter man verwendet: Luftlöcher müssen immer vorhanden sein.
Brutsubstrat wie Vermiculite sollte man besser nicht verwenden, da nach dem Schlupf Granulat ungewollt in den Bauchraum der Tiere gelangen kann.
Es hat sich stattdessen bewährt, ein Stück Styropor mit einer Kuhle zu versehen, in das die Eier gelegt werden. Fixiert werden sie anschließend mit Stecknadeln. Um eine gewisse Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten empfiehlt es sich ein Stück Schwamm oder einen sauberen Spüllappen nass zu machen und unter das Styropor zu legen. Mit der Zeit verdunstet das Wasser und sorgt für eine gewisse Luftfeuchtigkeit. Das einmalige Benässen des Schwamms oder Spüllappens reicht für die komplette Inkubation (Zeitigung) und muss nicht erneuert werden.

Niemals sollten die Eier mit Wasser in Kontakt kommen, da sie sonst Schimmel bilden und dadurch zerstört werden. Das Styropor ist wasserabweisend und die Eier in der dortigen Mulde können nicht hindurch nass werden.

Zum Schluss wird der Behälter mit einem Deckel versehen, damit kein frisch geschlüpftes Tier versehentlich davon eilt.

Es muss keine Heimchendose sein. Hier: ein sauberer Drosophilia-Becher. Darin befindet sich ein nasses Stück Spülschwamm und ein Stück Styropor. Damit das Doppel nicht seine Position verliert wird es in einer Mulde mit Stecknadeln fixiert. Die Position entspricht der der Eiablage.

Woran erkennt man ein befruchtetes Ei?

Für einen Laien kann es schwierig sein ein befruchtetes Ei als solches zu erkennen. Wer mag, kann es mit dem sog. Durchleuchten probieren: hierzu wird mit einem Licht (Taschenlampe klassisch oder die des Handys) das Ei angestrahlt. Ein befruchtetes Ei sieht meist rosafarbend aus. Man kann die Adern darin erkennen und im späteren Verlauf auch das Wachsen des Phelsumenkindes beobachten. Gegen Ende der Zeitigung bekommen die Eier einen gräulichen Farbton, beim Durchleuchten sieht man meist nichts mehr, da die Tiere bereits zu groß sind.

Unbefruchtete Eier sind nicht rosafarbig sondern wirken stattdessen orange/gelblich. Hier erkennt man auch keine Äderchen.

Eins ist erfolgreich geschlüpft, das andere Ei wirkt gelblich/orange. Hier ist kein Leben entstanden.
Befruchtete Eier bekommen einen rosafarbenen Ton, wenn man sie durchleuchtet. Wer genau hinschaut, kann das entstehende Leben darin beobachten

Bedingungen für eine erfolgreiche Inkubierung (Zeitigung)

Für eine erfolgreiche Inkubation benötigt das Gelege bestimmte Temperaturen und ausreichende Luftfeuchtigkeit. Mit Hilfe des nassen Schwamms oder Spüllappens ist zumindest die Luftfeuchtigkeit kein Parameter der weiter beobachtet werden muss. Das Augenmerk sollte hier bei der Temperatur liegen. Weswegen es empfehlenswert ist, die Temperatur mithilfe eines Thermometers im Auge zu behalten.

Die Temperatur sollte zwischen 25°C und 30°C liegen. Bis etwa eine Woche vor dem Schlupf können die Eier kurzzeitige Unterkühlungen von 10 bis 5°C aushalten. Bei mehr als 42°C wird der Embryo jedoch innerhalb weniger Minuten abgetötet. Auch stirbt es, wenn das Ei einen heftigen Stoß erleidet (die Schale muss dabei nicht zwingend beschädigt sein). Während der Inkubation sollten die Eier weder gedreht noch deren Position verändert werden.

Die Zeitigungstemperatur hat zudem einen Einfluss auf das Geschlechterverhältnis der Tiere. Budzinski konnte 1999 nachweisen, dass die Inkubationstemperatur einen maßgeblichen Einfluss auf die Geschlechterverteilung der Gelege ausübt. So wurden die Gelege in 2 Gruppen unterteilt: eine erhielt eine durchgehend konstante Temperatur von 26°C, die andere Gruppe wurde zusätzlich täglich für 3 Stunden einer Temperatur von 36°C ausgesetzt. Bei diesen Gruppen waren die Ergebnisse für P. laticauda eindeutig:

Gruppe mit konstanter Temperatur (26°C)
20 Eier inkubiert, davon 20 erfolgreich geschlüpft, darunter 20 weibliche Tiere

Gruppe mit der 3 stündigen erhöhten Temperatur (26°C und 3 Std: 36°C)
17 Eier inkubiert, davon 17 erfolgreich geschlüpft, darunter 1 weibliches Tier, 16 männliche

Es hat sich jedoch gezeigt, dass eine dauerhaft konstante Temperatur zu hinfälligen Jungtieren führt. Daher sollte man eine Nachtabsenkung durchführen, um gesündere Jungtiere zu erhalten. Insgesamt hat sich gezeigt, dass schwankende Temperaturen zu insgesamt vitaleren Nachzuchten führen, allerdings sollte man es hier nicht übertreiben. Am besten empfiehlt es sich den natürlichen Gegebenheiten so nah wie möglich zu kommen und sie möglichst optimal zu simulieren.


Wohin mit der Heimchendose und dem befruchteten Ei?

Ei und Heimchendose (oder wo auch immer sich das befruchtete Ei sonst befindet) können überall abgestellt werden. Wichtig ist, dass Dose und Ei vor Stößen und Bewegungen geschützt sind und die benötigten Temperaturen eingehalten werden können. Auch vor unerwarteter Überhitzung sollten sie geschützt sein.

Hier können Ei und Heimchendose ihren Platz im Terrarium der Elterntiere finden, wobei man darauf achten sollte, dass die Beregnung nicht dazu führt, dass der Becher mit Wasser volläuft oder die Eier dauerhaft Nässe ausgesetzt sind.

Doch auch ein wohl temperierter Raum und unter einer warmen Lampe eignen sich zum Inkubieren gut.
Vorsicht ist auf der Fensterbank geboten! Einfallendes Tageslicht kann den winzigen Behälter in wenigen Minuten rasant erhitzen und den Embryo innerhalb weniger Minuten abtöten!

Wer es lieber etwas kontrollierter und damit sicherer möchte, kann auf einen Inkubator zurückgreifen. Bewährt hat sich hier die Kunstglucke der Marke Jäger. Im Internet gibt es zudem mittlerweile einige Anleitungen für einen Eigenbau. Hier sollte man allerdings zur eigenen Sicherheit besonders aufpassen. Manche Eigenbauten aus Styropor sind schon durch den Einsatz von Heizstäben geschmolzen. Außerdem gilt (wie immer): im Zweifelsfall Finger weg vom Strom, da Lebensgefahr.

Wie in Großmutters Vorratsschank. Ob Inkubator, Selbstbau oder an einem warmen geschützten Plätzchen: hauptsache die Bedingungen stimmen und die Eier werden vor allen Gefahren geschützt

Der Schlupf

Nach durschnittlich 50 bis 60 Tagen schlüpfen die Jungtiere. Die Temperatur bestimmt hierbei die Schlupfzeit – je wärmer, desto schneller die Zeitigung, je kühler, desto mehr Tage vergehen.
Es gibt Berichte von Eiern, die bis zu 70 Tagen (oder wenig mehr) benötigt haben. Sollte ein Jungtier also nicht nach 60 Tagen schlüpfen, sollte man dem Ei noch ein wenig mehr Zeit schenken. Es ist besser sich in Geduld zu üben und den Dingen ihre Zeit zu lassen, als überhastet ein fast geschlüpftes Tier zu entsorgen, das im schlimmsten Fall vielleicht sogar im Hausmüll unentdeckt das Licht der Welt erblickt.

Aus diesem Grund sollten Eier immer vor dem Entsorgen für eine Weile in den Froster tiefgekühlt werden. Nur so stellt man wirklich sicher, dass nicht versehentlich Eier inkubiert oder gar Tiere nach der Eientsorgung schlüpfen.

Mit Hilfe des Eizahns wird ein kleiner Schalendeckel zunächst hochgestemmt. So kann das Jungtier erst die Nasenspitze durch die Öffnung schieben. Kurz darauf folgt der feuchte Kopf. Normalerweise halten die Tiere hier ein wenig inne, die Zeit die durchschnittlich vergeht liegt bei 30 bis 60 Minuten. Hallmann, Krüger und Trautmann berichten in ihrem Buch „Faszinierende Taggeckos der Gattung Phelsuma“ (Natur und Tier – Verlag), dass hierbei Ausnahmen von bis zu 12 Stunden möglich sind.

In dieser Wartezeit ziehen die Jungtiere über ihre Nabelschnur den Restdotter in den Bauch. Sie werden davon noch bis zu 2 oder 3 Tage zehren.

Deswegen gilt, auch wenn die Beobachtung unglaublich spannend ist: bitte Distanz wahren!
Das Jungtier sollte jetzt nicht gestört werden. Andernfalls kann der Stress dazu führen, dass der Restdotter nicht aufgenommen wird. Diese Tiere entwickeln sich im Verhältnis meist schlechter.

Nach der Wartezeit folgt der restliche Schlupf in einem Ruck. Die Tiere sind meist sehr träge nach diesem Kraftakt und oftmals sehr dunkel gefärbt. Auch jetzt sollte man ihnen noch ein wenig Ruhe gönnen. In der Regel häuten sie sich kurz nach dem Schlupf zum ersten Mal.

Die Inkubation war erfolgreich, ein neues Leben hat das Licht der Welt erblickt. Nun folgt die Aufzucht der Jungtiere.

In der Regel folgt das zweite Jungtier innerhalb der nächsten 24 Stunden aus dem Doppelei. Ein gleichzeitiger Schlupf findet normalerweise nicht statt. Jedoch bedeutet der Schlupf eines gesunden Tieres nicht zwanghaft, dass auch aus dem anderen Ei ein Jungtier schlüpfen wird. Manchmal ist nur eines der Doppeleier befruchtet, oder entwickelt sich nur ein gesunder Schlüpfling.


Was tun wenn mein Jungtier nicht gesund aussieht?

Es kann vorkommen, dass trotz aller Bemühungen und korrekter Zeitigungsbedingungen keine gesunde Tiere schlüpfen. Zu den bekannten Missbildungen gehören:

  • blinde oder einäugige Jungtiere
  • zweiköpfige Tiere
  • Tiere mit Wirbelsäulenverkrümmung oder andere rachitische Erscheinungen
  • schwanz-, bein– oder fußlose Jungtiere
  • Jungtiere mit Albinismus

Diese Missbildungen lassen sich nicht beheben. Sie sind dauerhaft.
In der Natur haben diese Tiere keine Überlebenschance und werden sich nicht weiter vermehren können. In ihrem Buch „Faszinierende Taggeckos der Gattung Phelsuma“ (Natur und Tier – Verlag) fordern Hallmann, Krüger und Trautmann daher solche missförmigen Schlüpflinge Fachinstituten zu überlassen oder die Tiere von einem Veterinär töten zu lassen.
Inwiefern man dieser Forderung der Selektion folgen mag, bleib jedem Halter selbst überlassen. Meiner persönlichen Meinung nach, kann auch ein schwanz-, bein- oder fußloses Jungtier ein vollwertiges langes Leben in einem artgerechten Terrarium führen. Eine solche Aufzucht sollte aber niemals für die Nachzucht eingesetzt werden und aus diesen Gründen auch nicht an andere Halter weitergegeben oder gar verkauft werden!

2 Kommentare

  1. Hallo….unserer Eier ( Phelsuma grandis ) waren jetzt einige Wochen in einem Bambusrohr. Heute haben wir raus genommen, da sich tagsüber öfters mal ein Frosch ( Austalische Korallenfinger Laubfrösche ) in dei Röhre setzt und wir haben Angst, dass er die Eier zerbricht oder das die Jungtiere schlüpfen und dannnatürloch, dass keine Luft bekommen oder noch schlimmer, von den Fröschen oder Elterntieren gefressen werden. Wir haben Sie jetzt vorsichtig aus der Röhre geholt und sie in eine Heimchendose gelegt. In der Heimchendose sind eine Art Sägespänne ( die wir für unsere Hasen nehmen) also so klein geraspeltes Holz. Dort haben wir eine kleine Kuhle gemacht und die Eier hinein gelegt und die Heimchendose auf das Terrarium gestellt. Genau auf den Lichtkasten des Exo Terra. Der ist recht warm. In der Heimchendose ist ein kleines Hygrometer welches die Temperatur anzeigt. Die Dose liegt jetzt ca. 1 Stunde auf dem Lichtkasten.Die Heimchendose ist ca.bis zur Hälfte mit dem Substrat befüllt so dass die Wärme, nicht so schnell bis zu den Eiern durchdringen sollte,so dass aufkeinen Fall 40 Grad erreicht werden. Aktuell sind es 29 Grad und 77 % Luftfeuchte.Also nahezu perfkt denke ich. Wir werden so bald sich Flüssigkeit bildet, die Heimchendose ankippen, so dass das Schwitzwasser am Deckel entlang läuft und an an der tiefen Stelle runter tropft.
    Ich wollte Sie eigentlich fragen wieso, alle Stecknadeln und Styropor verwenden aber jetzt wird es mir denke ich klar. Damit die Eier nicht weg rollen wenn man die Dose anschrägt oder?

    • Hallo,

      bitte entschuldige die späte Antwort, ich habe deine Nachricht erst jetzt gelesen und bin mir nicht sicher ob sie noch aktuell für dich ist. Aber evtl stößt ja jemand mit der gleichen Frage hier drauf 🙂
      Styropor und Nadeln nimmt man zum einen, damit das Gelege sich tatsächlich nicht ungewollt bewegt. Gleichzeitig saugt sich das Styropor nicht mit Flüssigkeit voll. Bei den Holzspänen kann sich Feuchtigkeit ansammeln und das Gelege kann dadurch zu schimmeln beginnen und infolge dessen zerstört werden. Daher sollte man strickt darauf achten, dass das Gelege selbst auf einer trockenen „Unterlage“ gebettet wird.
      Auch nach dem Schlupf hat Styropor einen Vorteil, denn im Gegensatz zu Granulat und anderen Materialien, kann das Jungtier nicht ungewollt Substrat aufnehmen. Zudem sind sie unten an den Bäuchen noch etwas feucht und es besteht das Risiko, dass sich das Substrat dort festklebt.
      Ich würde daher immer empfehlen das Gelege auf Styropor oder ähnlichem Material zu legen.

      Viele liebe Grüße,
      Eva

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